Ich schreibe ein Buch

Wir sprechen in unseren Familien über Ferien, über Rezepte, über Alltägliches – aber oft nicht über das, was uns irgendwann alle betrifft: Krankheit, Abschied und unsere Wünsche für den Fall der Fälle.

 

Ich weiss das nicht aus Theorie.
Über mehrere Jahre habe ich meinen an Demenz und Aphasie erkrankten Vater im Sterbeprozess begleitet. Was mich rückblickend am meisten beschäftigt, sind nicht nur der Verlust oder die Trauer – sondern die vielen Entscheidungen, die ich als Bevollmächtigte treffen musste, ohne je mit ihm darüber gesprochen zu haben.

 

Ich musste annehmen, was er gewollt hätte.
Ich musste interpretieren.
Ich musste hoffen, richtig zu liegen.

 

Entscheidungen auf Basis von Annahmen statt Wissen sind eine enorme emotionale Last. Und sie wären oft vermeidbar.

 

Ich bin überzeugt, dass schwere Themen ihre Würde nicht verlieren, wenn man sie mit Wärme – und ja, manchmal sogar mit Humor – bespricht.

 

Leichtigkeit bedeutet nicht Oberflächlichkeit.
Sie bedeutet Zugang.

Ein Lächeln im richtigen Moment nimmt Hemmungen.
Eine unerwartete Frage öffnet ein Gespräch.


Und plötzlich spricht man – ganz selbstverständlich – über Wünsche, Werte und Grenzen.

 

Es geht nicht darum, an einem Sonntagabend alle juristischen Details zu klären. Es geht um erste Schritte:

  • Was ist dir wichtig, wenn du einmal nicht mehr selbst entscheiden kannst?

  • Möchtest du alles wissen – oder lieber nicht?

  • Wie sähe deine Abschiedsfeier aus – still oder mit Lieblingsmusik?

Solche Fragen dürfen ernst sein.
Und sie dürfen leicht sein.

 

Und ganz pragmatisch:
Wissen deine Angehörigen überhaupt, wo deine wichtigsten Dokumente liegen? Patientenverfügung. Vorsorgeauftrag. Vollmachten. Zugangsdaten.

 

Manchmal beginnt Fürsorge nicht mit einem schweren Gespräch – sondern mit einem einfachen Satz:
„Falls mir etwas passiert: Die wichtigsten Unterlagen sind im Ordner XY.“

 

Aus dieser Haltung sind mein Buch „Wir dachten, wir hätten noch Zeit“ sowie ein Kartenset mit 100 sogenannten Lebensfragen entstanden. Sie sollen Gespräche erleichtern – nicht erzwingen. Sie sollen ermutigen, ehrlich über sich selbst zu sprechen. Mit Tiefe. Mit Menschlichkeit. Und mit einer Leichtigkeit, die Mut macht.

 

Denn wenn wir früh genug sprechen, schenken wir einander vor allem eines:
Klarheit. Sicherheit. Und vielleicht sogar ein gemeinsames Lächeln über etwas, das lange tabu war.